Mental

Hier ne kleine Kostprobe:

 

Perfektion, Konzentration, Meisterschaft:

Das Geheimnis der

Könner

Wir bewundern Virtuosen. Künstler oder Spitzensportler, und wir verlassen uns
darauf, dass einige Menschen verdammt gut sind in dem, was sie tun: Der
Chirurg. der uns operiert sohlte eine sichere Hand und viel Erfahrung haben.
Dasselbe erhoffen Wir vom Piloten, der unsere Urlaubsmaschine landet. Für
unsere Kinder wünschen wir uns kompetente Lehrer, die sie fit machen fürs
Leben. Wir schätzen den Mechaniker< der schnell das komische Geräusch
diagnostiziert und unser Auto mit sicherer Routine repariert. All das ist
Meisterschaft, das vollkommene Beherrschen eines Metiers. Und wie steht es mit
uns selbst? Wie gut können wir sein? Wenn wir wollen, viel besser, als wir es
selbst für möglich halten
Geht es Ihnen nur manchmal so oder so ähnlich?:
• Sie haben Talent zum Schreiben oder Malen und würden es gerne vervollkommnen, aber über
gelegentliche Versuche sind Sie nie hinaus gekommen.
• Sie haben den Umgang mit dem Computer gelernt, aber viele Funktionen bleiben Ihnen ein
Rätsel, und Sie reizen das Potenzial dieser Maschine nie aus.
• Sie wollen endlich richtig Italienisch oder Spanisch lerne,. um im nächsten Urlaub mehr als nur
die Speisekarte lesen, zu können
• Sie sind schon seit längerem unzufrieden mit Ihrem Tennisspiel, weil Sie auf dem Niveau
„begabter Anfänger“ stehen geblieben sind.
• Sie bedauern, dass Sie das Klavierspielen aufgegeben haben und höchstens an Weihnachten ein
bisschen für die Familie klimpern.
• Sie haben das ungute Gefühl, dass Sie im Beruf weit mehr leisten könnten, aber irgendwie scheint
das, was Sie tun, ja doch auszureichen.
Wann immer wir etwas lernen - einen Beruf, eine fremde Sprache, eine Kulturtechnik wie Schreiben
oder Malen, eine Praktik wie Meditieren oder Yoga, ein Handwerk wie Tischlern oder Töpfern, eine
Sportart wie Judo oder Tennis, eine neue Technik, ein Musikinstrument - wir sind zunächst absolute
beginners, blutige Anfänger.
Zu Beginn des Lernprozesses fragen wir uns, wie lange wir wohl brauchen, um „es“ einigermaßen
zu können: Wann ist uns unser Spanisch oder Italienisch gut genug für den Urlaub – und wann so gut,
dass wir wirklich die Kultur verstehen und ein Gespräch führen können? Wann ist unsere Vorhand im
Tennis so stark, um den Spielpartner in Schach zu halten, und wann so gut, dass wir einen Schlag
perfekt beherrschen?
Es hängt natürlich von unseren Zielen und Ansprüchen ab, ob wir die Grenze zwischen Hobby
und Meisterschaft zwischen Dilettantismus und Können zwischen hinreichender Routine und SpitzenPsychologie
Heute. Januar 2001. „Das Geheimnis der Könner“. Heiko Ernst - 2 -
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leistung überhaupt überschreiten wollen. Aber allzu oft üben wir Verrat an unseren Talenten und
bleiben weit hinter dem zurück, was wir könnten. Diffuse Unzufriedenheit oder Frust über das eigene
Mittelmaß quält uns mitunter, und wir versuchen uns zu beruhigen: Ist ja nicht so wichtig, „Spitze“ zu
sein. Wir verkennen dabei, dass das Bewusstsein, in irgendeiner Fähigkeit besser zu sein als der
Durchschnitt, eine der wichtigsten Quellen für Selbstachtung und Lebensglück ist.
Der lange Weg zur Meisterschaft
Ein Mann mit Geigenkasten unterm Arm fragt in Manhatten einen Passanten nach dem Weg: „Wie
komme ich in die Carnegie Hall?“ Der Passant schaut ihn kurz an und sagt im Weitergehen: „Üben,
üben, üben!“
Wenn wir etwas wirklich lernen und beherrschen und zur Spitzenleistung vorstoßen wollen,
müssen wir als Erstes anerkennen: Der Weg dorthin ist lang und schwierig. Es gibt keine
Abkürzungen und Tricks, es gelten die Gesetze der Könnerschaft. Wir schlagen einen Weg ein, den
wir nur dann wirklich zu Ende gehen, wenn wir Mühen, Rückschläge und zeitweise Stagnation in
Kauf nehmen.
Der Weg zur Könnerschaft verläuft in der Regel über mehrere Stufen - Plateauphasen auf denen es
nicht voranzugehen scheint, wechseln sich mit Phasen beschleunigten Lernens und sichtbarer
Fortschrittes ab.
Neue Ebenen der Kompetenz setzen fleißiges, hartnäckiges Üben auf einem niedrigeren Niveau
voraus - auch wenn die Steilphasen des Fortschreitens auf sich warten lassen:
unregelmäßige Verben pauken oder endlose Etüden am Klavier oder den Rückhandschwung Hunderte
Male im Training wiederholen oder an Texten feilen oder...
Lernen findet fast immer in Schüben statt. Es gibt kaum ein Gebiet, auf dem wir gleichmäßige,
stetige Fortschritte machen. Der Neuropsychologe Karl Pripram erklärt dieses Muster so: Wenn wir
etwas Neues lernen, müssen wir angestrengt und konzentriert bei der Sache sein, um alte
Wahrnehmungs-, Denk- und Verhaltensmuster durch neue zu ersetzen. Nach und nach bildet sich
dann ein „habituelles Verhaltenssystem“ heraus, das tiefer reicht als das bewusste Denken und Tun -
eine Art automatischer Antwort, eingeschliffen durch Üben, Üben,Üben.
So entsteht ein Reflexbogen im Zentralnervensystem, der uns erlaubt, die Rückhand zu schlagen
oder fremder Sprache nach dem Weg zu fragen, ohne jedes Mal überlegen zu müssen, wie wir es tun.
Der Psychologe Daniel Willingham sieht in der flüssigen, automatischen Ausführung einer
Tätigkeit das Resultat von „implizitem Lernen“. Wir begreifen

 
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